Die Medien in Bulgarien stehen weiterhin unter Druck. Das stellt eine nicht offizielle, aber doch sehr glaubwürdige Untersuchung der Assoziation der europäischen Journalisten in Bulgarien fest. Die Umfrage ist, gemessen an den strengen statistischen und soziologischen Standards, nicht repräsentativ, denn sie wurde unter den Mitgliedern der Journalistenvereinigung durchgeführt. Und dennoch stellt sie besorgniserregende Tendenzen fest.
Unter den 143 freiwilligen Teilnehmern gab mehr als die Hälfte an, persönlich zensuriert worden zu sein. Zwei von drei Journalisten erklärten, dass ihre Kollegen unter Druck gesetzt wurden. Im Vergleich zu 2013 weisen die konkreten Angaben jedoch eine leichte Verbesserung auf. Der Anteil der Journalisten, der die Medienfreiheit in Bulgarien als bedroht betrachtet, ist von 52 Prozent 2013 auf 42 Prozent in diesem Jahr gesunken. Dafür aber tauchen neue Probleme auf, wie die berüchtigte "Schere im Kopf" und die Medienkonzentration. Neun Prozent der Befragten gaben an, heikle Themen absichtlich zu meiden, 46 Prozent tun es gelegentlich. Die Selbstzensur sei in erster Linie auf die Angst vor dem Jobverlust zurückzuführen, aber auch auf die Bereitschaft der Journalisten, sich anzupassen und so Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen.
"Die Kollegen meiden Konflikte mit den Politikern, weil sie sie als Informationsquelle behalten wollen", erläutert Ilija Walkow, der die Ergebnisse zusammengefasst hat. "Angesichts der relativ großen Summen, die über die Veröffentlichung von EU-Projekten in die Medien fließen, stehen die Medien in einer gewissen Abhängigkeit zur Regierung", kommentiert Ilija Walkow. "Knapp 70 Prozent der befragten Journalisten gaben an, dass sie von Politikern kontaktiert werden, um sich über bestimmte Berichterstattung zu beklagen. Darüber hinaus finden immer mehr Propaganda-Texte Einzug in die Medien, was insbesondere in Zeiten des Wahlkampfes sehr oft beobachtet wird", sagt Ilija Walkow.
Die verwischte Trennlinie zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen im Medienmanagement wird von mehr als 80 Prozent der Befragten als das Hauptproblem der bulgarischen Medienlandschaft bezeichnet. Fast genauso viele Journalisten gaben an, dass das Monopol und die ungeklärten Eigentumsverhältnisse die Medienfreiheit in Bulgarien beeinträchtigen. Als Problem führen die Journalisten aber auch die schlechte journalistische Ausbildung an. Treffen diese Probleme auch für die regionalen Medien zu, fragten wir Maria Tschereschewa von der Assoziation der europäischen Journalisten in Bulgarien.
"Die Journalisten der regionalen Medien stehen ebenfalls unter Druck", sagt sie. "Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten der Reporter in der Hauptstadt, wo sie meistens wegen Verleumdung angeklagt werden, werden die Kollegen auf dem Land direkt bedroht."
Die Medienfreiheit in Bulgarien verzeichnet seit Jahren eine negative Tendenz. Wo sehen die Journalisten selbst Anhaltspunkte für eine Kehrtwende? Darüber sprachen wir mit der medienpolitischen Reporterin der Wochenzeitschrift "Kapital", Wessislawa Antonowa.
"Wir müssen einfach öfter darauf bestehen, unserer Aufgabe als Berichterstatter gerecht zu werden, also eine alternative Sicht bieten und zwischen Politik und Bürgern vermitteln", meint Wessislawa Antonowa. "Wir müssen unbequeme Fragen stellen und auf den Antworten darauf bestehen. Erst dann werden wir unsere Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Denn wir dienen eigentlich den Bürgern", sagte abschließend unsere Kollegin.
Deutsche Fassung: Vessela Vladkova
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