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Jugendwelle Sofia: Hochschulbildung braucht weitere Reformen

Foto: BGNES
Trotz der zahlreichen Reformen in den letzten Jahren bleibt die Hochschulbildung in Bulgarien der Qualität und Praxisbezogenheit viel schuldig. Jeder Nach-Wende-Minister führte Veränderungen durch, doch bis heute fehlt eine langfristige Vorstellung davon, wie die Ausbildung an Bulgariens Universitäten attraktiv und effizient gestaltet werden soll. Das ist mit ein Grund dafür, dass viele Hochschulabsolventen den Sprung ins Berufsleben nicht schaffen und trotz Diplom erstmal arbeitslos bleiben.

Zu diesen Schlussfolgerungen kam die Weltbank, die kürzlich einen Bericht über die bulgarische Hochschulbildung veröffentlicht hat. Bei der Vorstellung des Berichts musste Bildungsminister Sergej Ignatow zugeben, dass die universitäre Ausbildung in Bulgarien weiteren Reformen bedürfe und vor allem modernisiert werden müsse. Ihm zufolge sollen die Hochschulen so umstrukturiert werden, dass sie nicht nur für die Abiturienten attraktiv sind, sondern auch für junge Berufstätige. Ein erster Schritt sei, Ignatow zufolge, die Einführung der internetgestützten Ausbildung. Der Bildungsminister nannte aber auch einige positive Veränderungen, wie z.B. die Autonomie der Universitäten in Bulgarien, die bis zur Wende keine Selbstverständlichkeit war.

"Die bulgarischen Hochschulen haben inzwischen das Recht, Franchise-Modelle einzugehen", betont Sergej Ignatow. "Die Anerkennung von Diplomen anderer Hochschulen ist nicht mehr zentral gesteuert, was die Aufnahme von Studenten aus anderen Ländern wesentlich erleichtert. Die Universitäten können heute Partnerschaften im In- und Ausland eingehen. Staatlich finanzierte Hochschulen sind inzwischen berechtigt, Studiengebühren zu verlangen. Davon profitieren nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Studenten, die sonst keinen Studienplatz bekommen. Ganz wichtig ist, dass wir endlich die Möglichkeit haben, Studentenkredite zu gewähren. Trotz der Wirtschaftskrise sind die Kreditbedingungen sehr gut. Ich kann nur ein Beispiel geben", sagt Minister Ignatow: "Wenn in einer Studentenfamilie zwei Kinder geboren werden, wird der Kredit vom Staat getilgt. Das gilt auch im Fall der Invalidität", betont der Bildungsminister.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Studenten in Bulgarien um 16% erhöht, heißt es im Bericht der Weltbank. Darin wird jedoch bemängelt, dass die staatlich geförderten Hochschulen in Bulgarien zu eng spezialisiert seien. Deshalb legen die Weltbank-Experten der Regierung nahe, einige Hochschulen zusammenzulegen. Ein konkretes Beispiel ist die Einrichtung einer breitgefächerten Technischen Universität in Sofia, wo die jetzige Technische Hochschule und die Hochschulen für Chemie, Metallurgie, Fortwirtschaft und Geologie zusammenfließen.

Zu den weiteren Empfehlungen der Weltbank gehören die Aufstockung der Bildungsausgaben im Staatshaushalt auf 1% des BIP und eine grundsätzliche Änderung im Finanzierungsmodell der Universitäten. Momentan richtet sich die Finanzierung an der Zahl der Studenten, künftig soll die Subvention an der Zahl der Absolventen gebunden werden. Neben der Hochschulsubvention sollen zudem auch die Einnahmen der Universitäten aus anderen Quellen steigen. Als Möglichkeit dafür schlägt die Weltbank unter anderem auch die Erhöhung der Studiengebühren.

Übersetzung: Vessela Vladkova
По публикацията работи: Rumjana Zwetkowa


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